Seidenschwämme statt Tierversuchen

Ein österreichisches Konsortium hat ein innovatives bioanalytisches Testsystem für radiopharmazeutische Wirkstoffkandidaten zur Krebsdiagnose und -therapie entwickelt.

 

Neue Arzneimittel und diagnostische Methoden sollten sicher und idealerweise schnell verfügbar sein – doch gerade die präklinische Testphase bremst aufgrund des hohen Ressourcenaufwands oft den zügigen Fortschritt. Besonders die Entwicklung radioaktiver Markersubstanzen, sogenannter Radiotracer, die physiologische und pathologische Prozesse im Körper sichtbar machen und beispielsweise in der Krebsdiagnostik eingesetzt werden können, erfordert zeit- und kostenintensive Tests, die bisher häufig auf Tierversuchen beruhen. Diese sind ethisch umstritten und liefern oft Ergebnisse, die wenig auf den menschlichen Körper übertragbar sind. Ein Forschungsteam der Universität Wien, der FH Technikum Wien, der MedUni Wien und der DOC Medikus GmbH hat eine innovative Lösung entwickelt: ein bioanalytisches Testsystem, das menschliche Zellen auf einer Seidenmatrix nutzt, um Wirkstoffe unter realistischen Bedingungen zu testen – schneller, präziser und ohne Tierversuche.

Das bereits patentierte Verfahren kombiniert dabei chromatografische Prinzipien mit einer dynamischen 3D-Zellkultur und ermöglicht eine genaue Bewertung der Bindungseigenschaften zu testender radioaktiver Markersubstanzen, ihrer Zielgenauigkeit und möglicher Nebenwirkungen. Die Verwendung von Seidenfibroin bietet aufgrund seiner Strahlungsstabilität und seiner bewährten Anwendung in der Zellkultur erhebliche Vorteile. Durch die Einführung von Frits (sieb­artigen Trennwänden) zwischen den Schwämmen wird Zellmigration reduziert und die Reproduzierbarkeit der Ergebnisse verbessert. Wichtige Faktoren wie die Verteilung der Strahlendosis und die Versorgung der Zellen mit Nährstoffen können so genau kontrolliert werden. Die Technologie könnte neue Standards in der präklinischen Radiopharmazie setzen – für eine nachhaltigere und effizientere Arzneimittelentwicklung.

rh


Fotos: universität wien/Pichler
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