Volkskrankheit: Tinnitus

 

Bis zu einer Million Menschen leiden in Österreich laut einer Statistik der Österreichischen Tinnitus-Liga (ÖTL) an immer wiederkehrenden Geräuschen, bei rund 200.000 davon spricht man von chronischem Tinnitus. Dieser gilt als unheilbar. 


Dr. Christoph Balber

HNO-Facharzt am Ordensklinikum Linz Barmherzige Schwestern


„Im Akutaufnahmefall haben wir zwei bis drei Patienten pro Tag mit Tinnitus ähnlichen Geräuschen in der HNO-Ambulanz. Das ist schon häufig“, beschreibt Dr. Christoph Balber, HNO-Facharzt am Ordensklinikum Linz Barmherzige Schwes­tern, den Praxisalltag. Akuter Tinnitus setzt meistens plötzlich ein und geht oft mit Druckgefühl im Ohr oder einer Hörminderung einher. Am häufigsten tritt er einseitig, selten beidseitig auf. Dauern die Ohrgeräusche und Beschwerden länger als drei Monate an, spricht man von chronischem Tinnitus. Zunächst werden mögliche Ursachen untersucht: „Wir überprüfen das Gehör, kontrollieren, ob sich Flüssigkeit im Mittelohr befindet. Manche Patienten haben ein verschlagenes Ohr durch Schnupfen, einen verstopften Gehörgang oder zu hohen oder niedrigen Blutdruck. Ist dies der Fall, können die Symptome in der Regel rasch behoben werden“, sagt Balber. 

Tinnitus ist eine spontane oder unnormale Aktivität im Hörsystem, deren Ursache unklar ist. Zu den Hauptrisikofaktoren zählen Lärmbelästigung, Hörverluste und Stress. Laute Musik durch Kopfhörer oder akustische Knalltraumen können ebenfalls einen Tinnitus auslösen. „In-Ear-Stöpsel sind hier gefährlicher als gewöhnliche Modelle. Die offenen Kopfhörer strahlen den Ton nicht direkt ins Trommelfell. Dadurch sind sie für das Gehör schonender. Die im Ohr befindlichen Haarzellen können durch zu laute Musik dauerhaft geschädigt werden“, so der Mediziner. Therapeutische Maßnahmen zur Linderung der Beschwerden reichen von Entspannungstechniken bis zur Behandlung von Begleiterkrankungen wie Konzentrationsstörungen, Kopfschmerzen oder Schlafstörungen. Auch die Exploration der psychischen Situation oder die Modifikation der Lebenssituation kann hilfreich sein.

rh


Foto: zvg, Istock/Aleksej Sarifulin
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