Wenn sich alles dreht

Schwindel ist ein weit verbreitetes Symptom, das viele Ursachen haben kann und für Betroffene oft äußerst belastend ist. Das Spektrum der Ursachen reicht von HNO-Beschwerden über neurologische und internistische Probleme bis hin zu orthopädischen und psychischen Erkrankungen sowie Nebenwirkungen von Medikamenten.


 


AUTOR: Dr. Julian Panholzer


Abteilung für Hals-, Nasen- und Ohrenkrankheiten Klinikum Wels-Grieskirchen,

www.klinikum-wegr.at


Die deutsche Bezeichnung „Schwindel“ drückt sowohl eine Bewegungsillusion in Form eines Dreh-, Schwank- oder Liftgefühls als auch Benommenheit oder Gang­unsicherheit aus.

Viele der Schwindelerkrankungen sind im Bereich des Gleichgewichtsapparates angesiedelt, daher ist oft der HNO-Arzt die erste Anlaufstelle. Ein vielversprechendes Forschungsfeld ist daher auch im Bereich des HNO-Faches die Entwicklung von Vestibular-Implantaten, die ein beeinträchtigtes Gleichgewichtsorgan ersetzen sollen. Diese Technologie könnte in Zukunft vor allem älteren Patienten helfen, die ohne diagnostizierbare Ursache dauerhaft unter Schwindel leiden.

Schwindel ist in den meisten Fällen unangenehm, aber harmlos. Jüngere, ansonsten gesunde Personen können vorerst Rücksprache mit ihrem Hausarzt oder HNO-Facharzt halten. Bei starkem, länger anhaltendem Schwindel oder zusätzlichen Symptomen wie Übelkeit, Erbrechen, Gangunsicherheit oder neurologischen Problemen ist eine ärztliche Abklärung durch eine Notfallambulanz wichtig. Im Krankenhaus wird in einem ersten Schritt eine neurologische Untersuchung durchgeführt, um akute Risiken wie eine Gehirnblutung oder einen Schlaganfall auszuschließen. Anschließend folgen unter anderem HNO-spezifische Untersuchungen, darunter Anamnese, HNO-Status und gegebenenfalls bildgebende Diagnostik.

Vestibularisausfall

Die genaue Ursache für einen Vestibularisausfall ist noch nicht vollständig geklärt. Vermutet wird, dass ein inaktiver Virus, zum Beispiel ein Herpesvirus, durch Stress oder andere Faktoren reaktiviert werden kann. Dies führt zu einer Entzündung im Gleichgewichtsorgan bzw. des Gleichgewichtsnervs, die zum typischen, über Stunden bis Tage anhaltenden starken Drehschwindel führt. In der Regel klingen die Symptome nach ein bis vier Wochen wieder ab, der Patient ist danach in den meisten Fällen wieder beschwerdefrei. In schweren Fällen ist eine stationäre Behandlung mit Cortison- und Physiotherapie notwendig. Generell kann gesagt werden, dass Bewegung – sofern möglich nach initialer Bettruhe – bei Schwindel besser ist, als sich hinzulegen und im Bett zu verweilen. Wenn man auf den Beinen ist, erfolgt die zentrale Kompensation deutlich schneller.

Benigner paroxysmaler Lagerungsschwindel (BPLS)

Bei einem BPLS lösen sich Kristalle, sogenannte Otolithen, im Innenohr und werden in die Bogengänge verschleppt, was zu einem kurzen, anfallsartigen Schwindel bei Lageänderung führt. Mit speziellen Lagerungsübungen kann dieser Schwindel meist innerhalb weniger Tage vollständig behoben werden. Die Behandlung erfolgt in der Regel ambulant, wobei der HNO-Arzt die betroffenen Bogengänge identifiziert und entsprechende Übungen anleitet. Während eine eindeutige Ursache des BPLS meist ausbleibt, wurde ein Zusammenhang mit Vitamin D nachgewiesen. Leidet man wiederholt unter Schwindelepisoden, ist es sinnvoll, den Vitamin-D-Spiegel abklären zu lassen und gegebenenfalls zu substituieren.

Morbus Menière

Diese chronische Erkrankung verursacht wiederkehrende Schwindelattacken, Hörminderung und Tinnitus. Die Ursache ist nicht vollständig geklärt, es dürfte sich jedoch um ein Flüssigkeitsungleichgewicht im Innenohr handeln. Die Behandlung zielt darauf ab, die Schwindelepisoden zu verkürzen und die Symptome zu lindern.

Labyrinthitis

Bei der seltenen Labyrinthitis handelt es sich um eine Entzündung des Innenohrs, die auch das Gehirn betreffen kann. Neben Schwindel und Erbrechen kann es zu einer Hörminderung und Schmerzen auf dem betroffenen Ohr kommen.

 

Weitere Ursachen für Schwindel

  • Internistisch: Blutdruckschwankungen, zu hoher oder zu niedriger Blutdruck

  • Neurologisch: Schädigungen im Kleinhirn, Schlaganfall oder Polyneuropathien

  • Orthopädisch: Erkrankungen der Wirbelsäule oder Verspannungen im Nacken

  • Psychiatrisch: Phobischer Schwankschwindel bei Angststörungen

  • Medikamentös: Nebenwirkungen von Medikamenten

  • Schwindel beim Liftfahren: Im Aufzug wird durch das Anfahren die Flüssigkeit in unseren Gleichgewichtsorganen in Bewegung gesetzt. Bleibt der Lift stehen, schwappt diese Flüssigkeit noch weiter. Erst mit einer Verzögerung realisiert der Körper, dass der Lift bereits steht. Somit verspürt man das Gefühl, noch einen kurzen Moment weiterzufahren, um dann plötzlich abzustoppen.


FotoS: Klinikum Wels-Grieskirchen / Nik Fleischmann, istockphoto/ Andrey Popov
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